Eurotier 2016:
Rede Dr. Maria Flachjsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung ...

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Eurotier 2016:
Rede Dr. Maria Flachjsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

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Eröffnungsfeier der EuroTier 2016

Einleitung

 
Die Welt trifft sich in Hannover.
Schon zum insgesamt zwölften Male findet auf dem Messegelände hier in Hannover nun die internationale Leitmesse für die europäischen Tierhaltungsprofis, die EuroTier 2016, statt. Mehr als 2500 Aussteller aus 57 Ländern sind – nach dem Stand von Anfang September 2016 - auf dieser größten Informationsbörse für die Nutztierhaltung in Europa präsent und geben einen eindrucksvollen Einblick in die rasante technisch, technologische Entwicklung dieses wirtschaftlich bedeutendsten Sektors innerhalb der Landwirtschaft.




Für mich ist es immer wieder eine große Freude, an dieser Messe – fast hätte ich gesagt Weltausstellung – teilzunehmen und mich von den hier dokumentierten Fortschritten in Sachen Tierhaltung, Tierschutz, Umwelt- und Klimaschutz sowie Effizienz und Ressourcenschutz beeindrucken zu lassen.
 
Und derartige Innovationen sind dringend erforderlich. Wir brauchen sie als Hilfe für die Beantwortung weltweiter Fragestellungen. Wir brauchen sie auch zur Erhaltung der gesellschaftlichen Akzeptanz – nicht zuletzt bei unseren Verbrauchern – auf einem Niveau, das für eine weiterhin rentable Tierproduktion in Deutschland unabdingbar ist.
 
Lassen Sie mich daher auf einige der großen Herausforderungen, vor denen wir heute stehen, etwas näher eingehen:
 
 

  1. Verminderung der Ammoniakemissionen – NERC-RL

 
Ammoniak und Ammoniakemissionen entstehen hauptsächlich beim Abbau und der Umwandlung von organischen und mineralischen Düngern, im Stall sowie bei der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern.
 
Die Landwirtschaft – und hier insbesondere die landwirtschaftliche Nutztierhaltung - ist mit einem Anteil von 95 % die Hauptquelle der Ammoniakemissionen!
 
Das voraussichtliche Einsparziel für Ammoniak in der NERC-RL von ca. 29 % in DEU ab dem Jahr 2030 ist nach derzeitigem Kenntnisstand nur bei Umsetzung sämtlicher theoretisch zur Verfügung stehender Maßnahmen erreichbar. In der Landwirtschaft müssen in den kommenden Jahren erhebliche zusätzliche Anstrengungen zur Emissionsminderung (Wirtschaftsdüngermanagement, Tierhaltung, Mineraldüngung) unternommen werden.
 
Angesichts des zur Verfügung stehenden Zeithorizonts muss nun die Zeit bis 2030 genutzt werden, um einen angemessenen Minderungspfad zu erarbeiten. Dazu brauchen wir auch weitere Innovationen in der Tierhaltung. Das BMEL strebt einen Dialog mit den Betroffenen an, um praxisgerechte Lösungen mit den notwendigen Anpassungszeiträumen zu vereinbaren und die Landwirte nicht zu überfordern.
 
 

  1. Novellierung der TA-Luft und anderer Umweltgesetze

 
Das BMUB plant derzeit die Verschärfung einer ganzen Reihe von Umweltgesetzen, darunter das Bundesimmissionsschutzgesetz, das Bundesnaturschutzgesetz, das Wasserhaushaltsgesetz sowie auch das Baugesetzbuch. Erklärtes Ziel dieser Maßnahmen ist es, die – wie es heißt – „Intensivtierhaltung“ in Deutschland zurück zu drängen und die Tierhaltung insgesamt umweltfreundlicher zu machen.
 
Die 2013 erfolgte Änderung des § 35 BauGB stellt einen ausgewogenen Kompromiss dar, der die Interessen aller Beteiligten (Tierhalter, Gebietskörperschaften, Umweltschutz) in einen angemessenen Ausgleich bringt und einen Beitrag zur Lösung der Konflikte darstellt, ohne dass dies einseitig zu Lasten der Tierhalter, insbesondere der Landwirte geht.
 
Die Regelung ist erst seit dem Sommer 2013 in Kraft. Angesichts der Dauer der Planung und Errichtung größerer Bauvorhaben bedarf es zunächst einer angemessenen Beobachtungszeit, um ihre Wirkungen sachgerecht einschätzen zu können.
 
Eine pauschale Abschaffung der Privilegierung für sämtliche Tierhaltungsanlagen – wie sie das BMUB jetzt plant - würde in Wirklichkeit die Bodennutzungskonflikte vor Ort wesentlich verschärfen, da sie einseitig zu Lasten einer der betroffenen Gruppen ausfiele. Insbesondere würden dann gerade diejenigen bestraft, die bislang aufgrund ihrer Flächenbindung den Status einer landwirtschaftlichen Tierhaltung im Sinne des BauGB genießen.
 
Ein weiterer wichtiger Baustein des BMUB bei der „Zurückdrängung der Intensivtierhaltung in Deutschland“ und für die Definition und Umsetzung der aktuellen Standards der „besten verfügbaren Technik“ gemäß der EU-Industrieemissionsrichtlinie ist die Anpassung – und ja – Verschärfung der Vorgaben der „Technischen Anleitung zur Luftreinhaltung“ – kurz „TA-Luft“.
 
Das BMUB hat mit Schreiben vom 30.09.2016 seinen Entwurf zur Novellierung der TA Luft gemäß § 51 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes an die beteiligten Kreise übermittelt.
 
Es handelt sich um einen reinen BMUB-Entwurf, der noch nicht im Kreis der Bundesressorts abgestimmt worden ist.
 
BMUB hat den beteiligten Verbänden Frist für schriftliche Stellungnahmen bis zum 02.12.2016 eingeräumt, die mündliche Anhörung wurde auf den 07.12.2016 terminiert. Diese formelle Anhörung gibt Ihnen Gelegenheit, Ihre ggf. bestehenden Bedenken an das federführende BMUB heranzutragen.
 
BMEL wird sich bei der Ressortabstimmung, die voraussichtlich Anfang 2017 auf der Grundlage des noch vom BMUB im Lichte der o. g. Anhörung zu überarbeitenden Entwurfs beginnen wird, dafür einsetzen, dass die Belange der ländlichen Bevölkerung, der Umwelt und der Tierhalter zu einem angemessenen Ausgleich gebracht werden.
 
Nach dem jetzt vorliegenden Entwurf zu urteilen, liegt dabei „ein hartes Stück Arbeit“ vor uns, um dieses Ziel zu erreichen!
 
 

  1. Klimaschutzplan 2050

 
Die Bundesregierung wird in Kürze einen Klimaschutzplan vorlegen, der die klimaschutzpolitischen Grundsätze und Ziele der Bundesregierung festlegt. Der Plan soll insbesondere das bestehende deutsche Klimaschutzziel 2050 und die vereinbarten Zwischenziele im Lichte der Ergebnisse der Klimaschutzkonferenz von Paris konkretisieren und diese mit Maßnahmen unterlegen.
 
BM Christian Schmidt und BM’n Hendricks hatten sich bereits auf entsprechende Inhalte geeinigt. Die Landwirtschaft hat selbst ein großes Interesse am Klimaschutz, denn wie keine andere Branche ist sie direkt betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels und deswegen auch Teil der Lösung.
 
Klar ist aber auch:  Es ist und bleibt Kernaufgabe der Landwirtschaft, die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung sicherzustellen. Und hochwertige Lebensmittel lassen sich nicht mit Null Emissionen herstellen. Klimaschutz und Ernährungssicherung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Außerdem ist die Land- und Forstwirtschaft der einzige Wirtschaftssektor, der in der Lage ist, Treibhausgase dauerhaft zu speichern. Zusammengenommen leistet die deutsche Land- und Forstwirtschaft einen klimaschützenden Beitrag von jährlich 22 Mio. t CO2: Der deutsche Wald, seine nachhaltige Bewirtschaftung und die Verwendung von Holzprodukten entlasten die Atmosphäre jährlich um 126 Millionen Tonnen CO2. Ohne diesen Klimaschutzbeitrag würden die Gesamtemissionen Deutschlands um etwa 14 Prozent höher liegen. Beachtlich sind auch die positiven Klimaschutzwirkungen durch die Erzeugung und Nutzung von Bioenergie. Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe wurden in Deutschland im Jahr 2015 rund 66 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden.
 
Ziel des BMEL und der Bundesregierung bleibt es, neben der Unterstützung der Anpassung der Land- und Forstwirtschaft an den Klimawandel in stärkerem Maße auch deren Klimabilanz weiter zu verbessern. Die Herausforderung besteht darin, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die Senkenfunktion der Land- und Forstwirtschaft weiter zu steigern, die Substitution fossiler Rohstoffe durch die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen auszubauen und gleichzeitig den Erhalt des Klimas und der natürlichen Ressourcen zu sichern. Der Klimaschutzplan wird ein weiterer Baustein sein, um diese Herausforderungen anzugehen.
 
 

  1. Tierschutz und Tierwohllabel

 
Eine weitere große Herausforderung für unsere Tierhaltung ist der Tierschutz:
 
Die Haltung der Gesellschaft zu Tieren hat sich gewandelt und die Bedeutung des Themas Tierschutz hat deutlich zugenommen. Vor allem in Deutschland steht die Nutztierhaltung zunehmend im Fokus einer in breiter Öffentlichkeit geführten Debatte.
 
Die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher an die Prozessqualität bei der Herstellung von Lebensmitteln steigen. Dazu zählt die Art und Weise der Haltung von Tieren und insbesondere der Tierschutz.
 
So wird die Tierhaltung von Teilen der Bevölkerung kritisch gesehen und repräsentative Umfragen zeigen, dass rund 85 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mehr Tierschutz wollen.
 
Gerade hier steht die Landwirtschaft vor der großen Herausforderung, die Akzeptanz der Bevölkerung für die modernen Produktionsmethoden zu verbessern und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
 
Verbraucher legen beim Einkauf großen Wert auf Wahlfreiheit und eine klare Kennzeichnung insbesondere auch im Hinblick auf den Tierschutz. Produkte, bei deren Erzeugung besonders hohe, über den gesetzlich festgelegten Mindestanforderungen liegende Tierschutzstandards eingehalten wurden, können erkannt und bewusst ausgewählt werden.
 
Den Erzeugern bietet eine Tierschutzkennzeichnung die Möglichkeit, die Einhaltung eines höheren als den gesetzlichen Mindesttierschutzstandard transparent zu kommunizieren. Damit kann die vorhandene Nachfrage bedient und der aufgrund der getätigten Investitionen erforderliche höhere Preis erzielt werden.
 
Das BMEL hat die Arbeiten für die Einführung eines freiwilligen staatlichen Tierwohllabels für bestimmte tierische Produkte aufgenommen. Dieses staatliche Tierwohllabel wird sich nicht am Konzept der Eierkennzeichnung orientieren. Wesentliche Unterschiede sind insbesondere ein nationaler Rechtsrahmen, eine freiwillige Teilnahme und Anforderungen, denen nicht Haltungssysteme, sondern ressourcen-, management- und insbesondere tierbezogene Kriterien zu Grunde liegen.

 
 

  1. Digitalisierung

 
Bei der landwirtschaftlichen Erzeugung bietet die Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten, die Produktion nachhaltiger zu gestalten. Die Digitalisierung in der Landwirtschaft gewinnt deshalb zunehmend an Bedeutung. Dies trifft für den Ackerbau genauso zu wie für die Tierhaltung.
 
Ressourcen können dadurch eingespart werden, die Arbeit kann effektiver in kürzerer Zeit erledigt werden, die Tierüberwachung kann verbessert werden, so dass kranke Tiere frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Ein Beispiel hierfür ist der Melkroboter, der darüber hinaus für viele Familien arbeitswirtschaftliche Vorteile bietet, so dass Milchviehbetriebe zeitlich flexibler sind.
 
Von Seiten des Ministeriums werden die unterschiedlichen Aspekte der digitalen Landwirtschaft intensiv bearbeitet. In diesem Jahr hat deshalb das BMEL zusammen mit den einschlägigen Verbänden der Landwirtschaft (DBV), dem Verband der Landtechnikhersteller (VDMA) und dem Verband für den Bereich Soft- und Hardwareindustrie (Bitkom) im Februar eine umfassende Fachtagung durchgeführt.
 
Im Ergebnis wurde vereinbart, dass die genannten Verbände ihre Sichtweise in Positionspapieren deutlich machen, um darauf aufbauend eine Gesprächsplattform vorzubereiten, die die wesentlichen Anforderungen erfasst und gemeinsam Lösungen erarbeitet.
 
Um insbesondere die Anforderungen aus der Landwirtschaft zu spezifizieren, hat das BMEL zusammen mit der Technischen Universität Dresden Ende September eine Fachtagung durchgeführt. Dabei wurden die spezifischen Anforderungen sowohl aus der Außenwirtschaft als auch aus der Innenwirtschaft dargestellt und diskutiert.
 
Ende November wird nun darauf aufbauend die Gesprächsplattform „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ im BMEL zusammenkommen, um gemeinsam mit allen Beteiligten nach optimalen Lösungen zu suchen.
 
Eine wichtige Voraussetzung für die Digitalisierung im ländlichen Raum ist die Bereitstellung einer leistungsfähigen Infrastruktur. Wir arbeiten deshalb mit dem Bundesminister für Verkehr und Informationstechnologie zusammen, um die technische Voraussetzung – einen flächendeckenden Netzausbau – voranzutreiben. Dies dient einer nachhaltigen Landwirtschaft genauso, wie der restlichen Wirtschaft und Bevölkerung in ländlichen Räumen.

 
 

  1. Tierzucht

 
Eine weitere Voraussetzung für eine nachhaltige Landwirtschaft ist eine ausreichende genetische Basis bei Nutzpflanzen und -tieren.
 
Im Bereich der Tierzucht müssen deshalb auch die genetischen Ressourcen erhalten und nachhaltig genutzt werden. Daher haben Bund und Länder schon vor längerer Zeit ein nationales Fachprogramm beschlossen.
 
Nach langwierigen Verhandlungen ist es gelungen, mit Bund und Ländern gemeinsam die deutsche Genbank für landwirtschaftliche Nutztiere einzurichten. Das BMEL bringt sich hier mit seinen Ressortbereich maßgeblich ein:
-   Das Friedrich-Loeffler-Institut für Nutztiergenetik in Mariensee, übernimmt die Geschäftsführung und stellt eine zentrale Lagermöglichkeit zur Verfügung.
-   Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung übernimmt die Dokumentation.
 
Die offizielle Eröffnung fand im März diesen Jahres statt. Damit soll auch zukünftig die Möglichkeit bestehen, seltene Rassen verfügbar zu halten und im internationalen Austausch über die FAO, Maßnahmen gegen das Aussterben bedrohter Rassen zu unterstützen.

 

  1. Schluss

 
Meine sehr verehrten Damen und Herren!
 
Wie Sie sehen, stehen dem deutschen Veredlungsgewerbe auch weiterhin große Herausforderungen bevor. Angesichts der unbestreitbaren Probleme beim Umwelt- und Klimaschutz, beim Tierschutz und bei der Ressourceneffizienz sowie in der Akzeptanz in breiten Schichten unserer Bevölkerung müssen wir diese Herausforderungen annehmen. Unsere Aufgabe ist es jedoch, darauf zu achten, dass die Rahmenbedingungen, die seitens der Politik zu setzen sind, Augenmaß, Sinn für das Machbare und Fairness nicht vermissen lassen. Dafür will ich mich, dafür will sich mein Haus engagiert einsetzen.
 
Es bleibt mir nun, der DLG als Veranstalter einen erfolgreichen Verlauf der Eurotier 2016 zu wünschen. Uns allen wünsche ich viele Anregungen für neue Ideen und weitere Innovationen zum Nutzen unserer Landwirtschaft sowie für die Zukunft Europas und unseres Landes in Europa.



Quelle: eurotier.com


 
 
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