Eurotier 2016:
Trends bei der Stallklimatechnik ...

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Eurotier 2016:
Trends bei der Stallklimatechnik

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Optimale Umweltvoraussetzungen sind neben dem genetischen Potenzial, dem Management und der Fütterung maßgebend für eine erfolgreiche Tierhaltung. Durch den Einsatz von Lüftungs- und Stallklimageräten wird der Abtransport von Gasen, Wärme und Wasserdampf geregelt und somit das Raumklima wesentlich gestaltet. Eine kontrollierte Stallklimagestaltung hat einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden und das Leistungsvermögen der Tiere. Zwischenzeitlich sind technische Einrichtungen wie Lüftung, Heizung und Kühlung feste Bestandteile der Stallklimagestaltung. Zur Ermittlung der Stallklimaparameter ist die DIN 18910 anzuwenden. Sehr großen Einfluss auf die baulichen und technischen Ausführungen von Lüftungsanlagen haben zunehmend auch immissionsschutzrechtliche Anforderungen.
 
Abluftführung
Je nach stall- oder umweltspezifischen Anforderungen werden dezentrale oder zentrale Systeme eingebaut. In der Schweine- und Geflügelhaltung sind Unterdrucklüftungsanlagen Standard. Der Trend geht bei immer größer werdenden Stalleinheiten zu dezentralen Lösungen. Diese Anlagen lassen sich regelungstechnisch einfacher handhaben als Zentrallüftungsanlagen. Wird der Einsatz von Abluftreinigungsanlagen erforderlich bzw. ist der Einbau von Wärmetauschern geplant, haben Zentralabsaugungssysteme wesentliche Vorteile. In Geflügelställen erfolgt die Abluftführung meistens durch Tunnellüftung. Bei diesem System wird die Abluft hauptsächlich an einer Giebelseite des Stalles abgesaugt. Bei langen Ställen werden zusätzlich dezentral Abluftschächte mit Saugventilatoren eingebaut, um eine gleichmäßige Durchspülung des Raumes, vor allem bei Minimalbelegung des Stalles im Winter, zu gewährleisten. Die Zuluftführung in den Stall erfolgt traufseitig über Zuluftelemente.
 
Zuluft
Bei der Einleitung der Frischluft in den Stall ist darauf zu achten, dass die Tiere zugfrei mit Frischluft versorgt und rechtlich vorgegebene Rahmenbedingungen, z.B. Grenzwerte für Gaskonzentrationen, eingehalten werden. Für die Mehrzahl der Tiere betragen die Grenzwerte für
 
Kohlendioxid                            max. 3.000 ppm
Ammoniak                               max.      50 ppm
Schwefelwasserstoff                max.        5 ppm
 
Die zulässige Luftgeschwindigkeit im Tierbereich ist von der Art und Größe der Tiere, der Zulufttemperatur und dem Wärmeinhalt der Luft abhängig. Im Tierbereich sollte die Luftgeschwindigkeit in der Regel zwischen 0,2 und 1,0 m/s betragen. Um die genannten Anforderungen zu erfüllen, wurden in den vergangenen Jahren vor allem Verdrängungslüftungen in Form von Rieseldecken, Rieselkanälen, Türganglüftungen, Schlitzlüftungen, Porendecken usw. eingebaut.
 
Beim Einsatz von Kanälen ist bei der Materialwahl darauf zu achten, dass sich bei hohen Temperaturunterschieden kein Kondenswasser bildet. Folgende Kriterien sind bei der Einleitung und Verteilung der Zuluft im Stall zu beachten:
 
 

  • Maximal 15 m Kanallänge bei einseitigem Lufteintritt
  • Zuluftgeschwindigkeit nicht über 2,5 m/s im Kanal
  • Luftdurchsatz pro m² Rieselfläche zwischen 200 bis 300 m³/h

 
Aus den aufgeführten Kriterien ergeben sich Kanalhöhen von 30 bis 50 cm. Um eine gute Luftverteilung im Raum zu gewährleisten, sollten die Kanäle über den Buchten angebracht werden. Eine Anbringung direkt an den Außenwänden führt durch den sogenannten Coanda-Effekt zu einem zu schnellen Absinken der Kaltluft in den Tierbereich und somit zu Zugerscheinungen. Ein Zulufteintritt an beiden Kanalseiten kann ebenfalls zu erhöhten Luftgeschwindigkeiten in der Kanalmitte und damit auch im Tierbereich führen.
 
Die Zuluftführung über den Futtergang ist als weitere kostengünstige Art der Verdrängungslüftung anzusehen. Vor allem bei kleinen Stalleinheiten bietet sich diese Alternative an. Der begrenzte Faktor bei der Futterganglüftung ist die Bemessung des Luftvolumenstroms pro Stallabteil. Nachfolgend aufgeführte Kriterien sind von wesentlicher Bedeutung:
 
 

  • Maximal 15 m Stallganglänge
  • Zuluftgeschwindigkeit nicht über 2,5 m/s im Futtergang
  • Buchtentiefe bei einseitiger Buchtenreihe nicht über 4,5 m
  • Buchtentiefe bei zweiseitiger Buchtenreihe nicht über 8,5 m

 
Weiterhin sollten die Buchtentrennwände am Futtergang mindestens die gleiche Höhe haben wie die Zuluftöffnung in der Tür. Besonders darauf zu achten ist, dass der Absaugpunkt der Stallluft in der Nähe des Lufteintritts in den Stall liegt, um einen guten Spülgrad im Abteil zu garantieren. Bei kleineren Stallabteilen ist auch eine Unterflurzuluftführung über perforierte Stallgänge möglich. Bei diesem System kommt die Zuluft im Sommer leicht abgekühlt und im Winter leicht angewärmt in die Stallabteile.
 
Als Alternative zur Futterganglüftung kann u.a. der Lufteintritt über Schlitzöffnungen in der Stalldecke betrachtet werden. Die Zuluft wird bei diesem System über Schlitze oder Deckenventile in den Stallraum eingeleitet, sinkt in den Stallgang ab und verteilt sich von hier in die Buchten. Die Lufteintrittsgeschwindigkeit in den Stallraum sollte dabei 2,5 m/s nicht überschreiten. Die maximalen Buchtentiefen entsprechen denen der Futterganglüftung.
 
Insbesondere bei der Geflügelhaltung und in größeren Sauenanlagen werden verstärkt Strahllüftungen eingebaut. Bei diesen Systemen tritt die Zuluft in der Regel über zentralverstellbare Zuluftelemente in den Stall ein. Folgende Kriterien sind beim Einbau solcher Systeme zu beachten:
 
 

  • Einbau der Zuluftelemente in Schweineställen im oberen Bereich der Außenwände
  • Einbau der Zuluftelemente bei Geflügelställen auch im unteren Bereich
  • Raumhöhe zur Raumbreite im Verhältnis von maximal 1:4
  • Einströmgeschwindigkeit im Sommer maximal 4 m/s
  • Einströmgeschwindigkeit im Winter maximal 1 m/s

 
Für alle Zuluftsysteme gilt die Regel, dass die Zuluft im Sommer nicht aus einem unbelüfteten Dachraum entnommen wird, da durch intensive Sonneneinstrahlungen in diesem Bereich Temperaturen von bis zu 70 Grad auftreten können. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte der Lufteintritt auf der Schattenseite des Gebäudes erfolgen.
 
Ablufttechnik
Die wesentlichen Bestandteile der Ablufttechnik sind Abluftschächte, Einströmdüsen, Diffusoren, Ventilatoren usw. Die Größe der Ventilatoren sollte immer auf den Durchmesser der Abluftschächte abgestimmt sein. Bei gut aufeinander abgestimmten Bestandteilen können bis 30 Pa Druckminderung erreicht werden.
 
Unterdrucklüftungsanlagen werden fast ausschließlich mit Axialventilatoren betrieben. Die Leistungen der Ventilatoren werden im Wesentlichen durch den Durchmesser, die Anzahl der Flügel, den Flügelstellwinkel und die Drehzahl bestimmt. Aus dem Ventilatorkennfeld ist der Charakter des Ventilators zu entnehmen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die Druckvolumenkennlinie sowie die spezifische und elektrische Leistungsaufnahme. Aufschluss über die Ventilatorendaten geben die DLG-Prüfberichte.
Energiesparventilatoren haben sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen durchgesetzt. Die Energieeinsparung kann bis zu 50 % betragen. Trotz höherer Anschaffungskosten amortisieren sich die Geräte in 3 bis 5 Jahren relativ schnell. Weitere wichtige Kriterien der Auswahl der Ventilatoren sind die Haltbarkeit und die Geräuschentwicklung. Insbesondere beim Einsatz in Abluftreinigungsanlagen oder in Wärmetauschern sind häufig Gesamtdruckbelastungen bis zu 200 Pa erforderlich. Diese Leistung wird nur von speziell für diese Fälle hergestellten Ventilatoren erbracht.
 
Regelungstechnik
Aufgrund ihrer niedrigen Anschaffungskosten und dem zwischenzeitlich erreichten hohen technischen Standard haben sich Klimacomputer in den Stallanlagen durchgesetzt. Durch ihren Einsatz sind sowohl bei zentralen als auch bei dezentralen Absauganlagen gute technische Regelungsmöglichkeiten gegeben. Klimacomputer sind auch über BUS-Systeme mit z.B. Zentralcomputern zu vernetzen. Gegenüber Einzelabsaugungen sind beim Einsatz in Zentralabsaugungsanlagen aufwendigere Regelsysteme erforderlich, da verschiedene Parameter wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Gasgehalt usw. aus mehreren Stallabteilen erfasst und bearbeitet werden müssen, um wiederum erforderliche Volumenströme für die verschiedenen Abteile zu ermitteln.
Bei Ställen mit Einzelabsaugungen ist der Einsatz von Ventilatoren mit elektronischer Kommutierung und Gleichstrommotor sinnvoll. Diese Ventilatoren sind den herkömmlichen Ventilatoren hinsichtlich des Verbrauchs im drehzahlgeregelten Bereich weit überlegen. Zur Drehzahlregelung von Ventilatoren mit Wechselstrommotoren werden zunehmend Frequenzumrichter eingesetzt. Sowohl für den Frequenzumrichter als für den Ventilator wird als Regelsignalgeber ein elektrischer Thermostat installiert. Auch durch diese Technik wird eine Stromersparnis im drehzahlgeregelten Bereich erzielt.
 
Weiterhin werden Messventilatoren und Einrichtungen zur Druckdifferenzmessung zur exakten Regelung der Ventilatoren angeboten.
 
Heizung
In Stallgebäuden sind Heizsysteme vor allem von einzelbetrieblichen Voraussetzungen abhängig. Bei geringen Ansprüchen an die Temperaturgestaltung oder zur kurzfristigen Aufheizung von Räumen werden in den Stallabteilen auch weiterhin Gaskanonen eingesetzt. Diese Geräte sind relativ preiswert, haben ein großes Leistungsspektrum und wurden auch regelungstechnisch verbessert. Sind hohe Anforderungen an das Raum- oder Kleinklima in Stallabteilen erforderlich, werden Systeme eingesetzt, die eine exakte Regelung der Temperaturen im Tierbereich gewährleisten und bei denen nur geringe Temperaturschwankungen im Abteil auftreten. Je nach Stallausführung und Tierart kommen folgende Heizarten in der Praxis zur Ausführung:
 

  • Gaskonvektoren: Diese Geräte erwärmen die Luft und blasen sie über Rohre oder -Kanäle in die Stallabteile. Bei entsprechender Anordnung der Zulufteinrichtungen wird eine gleichmäßige Verteilung der erwärmten Zuluft im Abteil gewährleistet.
  • Warmwasserheizung: Die Beheizung der Stallabteile erfolgt überwiegend durch Delta- oder Twinrohre. Es können jedoch auch handelsübliche Rohre eingesetzt werden. Die Regulierung der Wärmeverteilung erfolgt über handelsübliche Systeme.
  • Zonenheizung: Vor allem in der Ferkelhaltung besteht weiterhin der Trend zu Warmwasserfußbodenheizungen in Verbindung mit Infrarotstrahlern. Vorgefertigte Heizplatten aus Kunststoff oder aus Leichtbeton bieten sich an. Es ist darauf zu achten, dass die Liegefläche für die Ferkel ausreichend groß bemessen wird. Wärmeverluste im Liegebereich der Ferkel sind durch wärmegedämmte Flächen zu vermeiden.
  • Strahlerheizung: Insbesondere in der Geflügelhaltung werden Dunkelstrahler eingesetzt. Die von den Heizgeräten erzeugte Strahlungswärme sorgt vor allem im Tierbereich für gleichmäßige Temperaturen.
  • Wärmerückgewinnungsanlagen: Durch den Einsatz von Wärmetauschern, am bekanntesten sind Luft-Luft-Wärmetauscher in verschiedenen Bauarten, kann Wärme aus der Fortluft zurückgewonnen werden. Beim sachgemäßen Einsatz sind die Tauscher in der Lage, den Heizungsgrundbedarf für bestimmte Bereiche in der Tierhaltung abzudecken.

 
Kühlung
Eine Absenkung der Stalltemperaturen um bis zu 5 Grad Celsius ist in der warmen Jahreszeit durch den Einsatz von Wasserverdunstungs- oder Wassersprühgeräten zu erreichen. Vor allem die Verwendung von Hochdruckpumpen zur Vernebelung von Wasser bietet sich an. Ähnliche Werte können auch erreicht werden, wenn die Außenluft über wasserberieselte perforierte Wände in die Stallabteile gesaugt wird. Verstärkt werden Kunststoff-Pads angeboten, die einen hohen Luftdurchsatz gewährleisten und eine gute Kühlleistung bewirken. Vorsicht ist jedoch beim Einsatz dieser Befeuchtungssysteme an warmen Tagen mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit geboten, da durch den Eintrag von Wasser die Stallluft zwar abgekühlt wird, die relative Luftfeuchtigkeit und damit der Wärmeinhalt der Stallluft aber wesentlich ansteigt. Der hohe Wärmeinhalt in der Luft kann zu Belastungen des Kreislaufs bei Menschen und Tieren führen.
 
Zur Kühlung der Zuluft kann ebenfalls der Einsatz von Erdwärmetauschern beitragen. Bei diesem System wird über im Erdreich verlegte Rohre oder Kanäle Außenluft angesaugt und je nach Länge der Leitungen und Tiefe der verlegten Zulufteinrichtungen erhebliche Kühlleistungen bis zu 8° C erzielt. Diese Maßnahmen erfordern jedoch zusätzliche Baukosten und stellen oftmals höhere Anforderungen an die statischen Belange eines Bauwerks.
 
Für die Zuluftführung in das Stallgebäude ist es vorteilhaft, wenn der Zulufteintritt auf der sonnenabgewandten Seite erfolgt. Auch eine Beschattung der Zuluftöffnungen durch Sonnenblenden oder natürlichen Bewuchs kann sich ähnlich positiv auf die Klimagestaltung auswirken. Bei der Beschattung durch natürlichen Bewuchs ist jedoch darauf zu achten, dass keine Verschmutzung der Zulufteinrichtungen, z.B. durch Blätter oder Zweige, erfolgt.
 
Alarmgeräte
Der Einsatz von Alarmanlagen ist durch die zurzeit gültigen Tierhaltungsverordnungen und Bestimmungen der Sachversicherer vorgeschrieben. Der Einbau dieser Geräte schützt bei richtiger Handhabung Menschen und Tiere in den Stallanlagen bei Stromausfall oder sonstigen Störungen. In modernen Anlagen werden verschiedene Parameter, wie z.B. die Spannung der Stromkreise, die Stalltemperatur, der Wärmeinhalt der Stallluft, die Funktion der Ventilatoren, die Gasgehalte usw., überwacht und leiten Störungen an akustische und oder optische Alarmgeber weiter. Des Weiteren ist es sinnvoll die Störungsmeldungen an verschiedene Medien des Betriebsinhabers oder eines zentralen Überwachungsdienstes zu übermitteln, da moderne Kommunikationsmittel das Eingreifen in eine Anlage sowohl vom Betreiber als auch eventuell von einer Firma problemlos ermöglichen. Weiterhin können elektronische Überwachungseinrichtungen, wie z.B. Kameras, Abläufe in den Ställen erfassen und an eine Zentrale übermitteln.
 
Abluftbehandlung
Wenn erforderliche Schutzabstände zur Wohnbebauung oder zu Biotopen nicht eingehalten werden können, die Vorbelastung von Gerüchen oder Schadgasen in gewissen Regionen das zulässige Maß überschreiten oder Teilaussiedlungen von Stallgebäuden aus bestimmten Gründen nicht möglich sind, kommen zwischenzeitlich verstärkt Abluftreinigungsanlagen beim Bau von Schweine- und Geflügelställen zum Einsatz. Einige Bundesländer haben die Abluftreinigung für Schweineställe, sowohl für Neubauten als auch als Nachrüstungen, ab einer gewissen Größenordnung per Erlasse flächendeckend eingeführt. Bei den Abluftreinigungsanlagen handelt es sich vor allem um biologische oder chemische Wäscher, Biofilter, kombinierte Anlagen usw. Alle Verfahren sind jedoch nur bei zwangsbelüfteten Stallanlagen einsetzbar. Zwischenzeitlich wurden mehrere Anlagen von verschiedenen Herstellern für den Einsatz in Schweine- und Geflügelställen von der DLG geprüft. Trotz erfolgreichen Prüfungen und technischen Weiterentwicklungen der Abluftreinigungsanlagen gehören sie aus Kostengründen auch weiterhin noch nicht zum allgemeinen Stand der Technik emissionsarmer Tierhaltungsverfahren.
 
Indoorverfahren, bei denen Wasser in Verbindung mit Zusatzstoffen in der Stallluft vernebelt wird um Staub, NH3 oder Geruch zu binden, haben bei Messungen in der Praxis nicht die versprochenen Wirkungen gezeigt. Die weitere Entwicklung sollte abgewartet werden.
 
Außenklimaställe
Als kostengünstige Stallsysteme haben sich Außenklimaställe in der Rindviehhaltung durchgesetzt. Meistens handelt es sich dabei um großvolumige, einhäusige Bauweisen mit mehreren offenen Stallseiten oder mehrhäusige Anlagen, die sich gut in das Landschaftsbild einfügen. Die Traufhöhen bewegen sich je nach Gebäudeart zwischen 4 bis 8 m, und die Dachneigung beträgt in der Regel ca. 15 bis 18 Grad. Firstabdeckungen sind nur erforderlich, wenn sich die Firstöffnungen über den Liegeflächen der Tiere befinden. Auf eine Abdeckung kann verzichtet werden, wenn sich die Anordnung des Firstes über dem Futtertisch oder in dem Bereich der Laufflächen befindet. Bei der Firstgestaltung wird auch häufig die Shed-Dachausführung gewählt. An den Traufseiten der Ställe werden in der Regel mechanisch verstellbare Wickellüftungen eingebaut. Bei sehr breiten Ställen kann eine sensorgesteuerte Verstellung der Zuluftelemente ab gewissen Windgeschwindigkeiten aus statischen Gründen erforderlich werden. Weitere Regelgrößen für die Verstellung der Zuluftelemente sind z.B. die Sonneneinstrahlung und/oder die Temperatur. Bei einer Ganzjahresstallhaltung der Tiere kann der Wärmeeintrag im Sommer über die Dachhaut durch Dacheindeckung mit hellem Material oder aus wärmegedämmten Platten minimiert werden. Lichtplatten in der Dachhaut erzeugen eine sehr hohe Wärmeeinstrahlung und sollten deswegen nicht oder nur auf der nördlichen Dachseite zum Einsatz kommen. Auch die Stellung des Gebäudes zur Hauptwindrichtung sollte beachtet werden, da eine Queranströmung des Gebäudes maßgeblich zur Durchlüftung beitragen kann.
 
Um das Wohlbefinden der Tiere bei länger anhaltenden Hitzeperioden zu steigern, ist der Einbau einer Unterstützungslüftung in Rindviehställen sinnvoll. Durch die Unterstützungslüftung wird eine Luftbewegung mittels Ventilatoren im Stall erzeugt, die die Wärmeabgabe der Tiere erleichtert. Als Volumenstrom werden ca. 800 bis 1.500 m3/h/Kuh empfohlen. Die Anordnung der Ventilatoren im Stall sollte so gewählt werden, dass die Luft von der Nord- oder Ostseite angesaugt wird. Nachbarschaftliche Belange wie Geruch- oder Lärmbeeinträchtigungen sind beim Einbau zu berücksichtigen. Bei langen Stallgebäuden sind mehrere Reihen Ventilatoren nacheinander anzuordnen. Der Abstand zwischen den Ventilatorreihen beträgt je nach Leistung und Art der Ventilatoren 15 m bis 20 m. Die erste Reihe der Ventilatoren wird in einer Entfernung von ca. 2 m von der Außenwand entfernt oder direkt in der Außenwand eingebaut. Die Aufhänghöhe der Ventilatoren ist so zu wählen, dass die Unterkante mindestens 2,5 m über Grund liegt und somit von den Tieren nicht erreicht werden kann. Der Neigungswinkel sollte 12 bis 15 Grad betragen, damit die Luft in den Tierbereich geblasen wird.
 
Für die Haltung bzw. Aufzucht des Jungviehs und der Kälber haben sich ebenfalls relativ einfach gestalteten Außenklimaställen bewährt. Für die Kälberaufzucht erfolgt häufig in Einzel- oder Gruppeniglus. Eine Verbesserung des Stallklimas in vorhandenen Gebäuden kann auch durch den Einsatz von Zuluftkanälen (siehe Zuluftführung in geschlossenen Ställen) oder durch perforierte Zuluftschläuche erfolgen. Grundsätzlich sollten jedoch Jungviehställe als Außenklimaställe konzipiert werden, in denen weitestgehend auf eine mechanische Lüftung verzichtet werden kann.
 
In gewissen Regionen werden weiterhin für die Schweinehaltung, verstärkt auch für kleine Geflügelbestände, Außenklimaställe mit freier Lüftung errichtet. Der Luftwechsel in den Ställen erfolgt hauptsächlich durch Winddruck und Thermik. Durch die Aufteilung der Ställe in verschiedene Temperatur- oder Aufenthaltsbereiche werden jahreszeitbedingte Temperaturschwankungen ausgeglichen. Diese Stallsysteme erreichen bezogen auf den Jahresmittelwert oftmals höhere Luftvolumenströme pro Tier als zwangsbelüftete Ställe. Dadurch wird das Stallklima als angenehmer empfunden. Auch in diesen Stallanlagen können Hitzeperioden durch den Einsatz von Umluftventilatoren, eventuell mit Wassersprühanlagen, oder Beschattungseinrichtungen zur Verminderung von Hitzestress bei den Tieren führen.
 
Auch die Anordnung von Laufhöfen oder sonstigen Ausläufen kann wesentlich zum Wohlbefinden der Tiere beitragen. Auf eine teilweise Beschattung der Ausläufe ist zu achten.
 
Tendenz
Aufgrund der derzeitigen ökonomischen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft wurde in den vergangenen Jahren nur mäßig in Stallneu- und -umbauten investiert. Als weiteres Hemmnis für Investitionen in neue Stallgebäude stellt sich die derzeitige unklare Rechtslage hinsichtlich der zu erwartenden Umweltauflagen dar. Die Änderung des Baugesetzbuches hinterlässt diesbezüglich bereits erhebliche Spuren. Es bleibt daher zu hoffen, dass für deutsche Landwirte zukünftig eine Politik mit Augenmaß, unter Berücksichtigung der EU-Vorgaben, ohne zusätzliche Forderungen und Auflagen betrieben wird.
 
In allen Bereichen der Tierhaltung gab es in den letzten Jahren hinsichtlich der Lüftungssysteme sinnvolle Weiterentwicklungen. Es wurden z.B. Details verbessert und mit Anlagenteilen zur Energieeinsparung ergänzt. Auch die Regel- und Messtechnik wurde verfeinert, indem langlebige Sensoren zum Messen von Gasen entwickelt wurden. Die Verarbeitung der Messergebnisse kann direkt über entsprechende Schnittstellen in Regelgeräten erfolgen und dient dem Wohl der Tiere in den Ställen. Im Bereich der Zuluftführung muss geprüft werden, ob sich Kühlsysteme wirtschaftlich in den Stallbau integrieren lassen. Die überarbeitete DIN 18910 lässt bei anrechenbaren Kühlsystemen erhebliche Verringerungen der erforderlichen Luftvolumenströme zu. Weiterhin sind Verknüpfungen verschiedener Parameter, wie Fütterung, Aufstallungssysteme, Beleuchtung, Stallklima u.a., zukünftig für ein optimales Betriebsmanagement unabdingbar.
 

Quelle: eurotier.com

 
 
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