Eurotier 2016:
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Eurotier 2016:
Trends in der Entmistungstechnik bei Schweinen

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Reinhard Schulte-Sutrum, Sachbereich Schweinehaltung, Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Wichtiger Bestandteil aller Stallbauten ist das Entmistungssystem. Schon in den frühen 50er Jahren gab es eine Reihe von Entwicklungen, die diese unangenehme und meist auch körperlich schwere Arbeit erleichtern sollten. Der Arbeitskräftemangel und die zunehmenden Betriebsgrößen trugen zusätzlich dazu bei. So hat sich über die vergangenen Jahrzehnte eine Vielzahl unterschiedlicher Entmistungsverfahren in den Betrieben etabliert. Dennoch gibt es auch heute noch eine stetige Weiterentwicklung in diesem Bereich.
 
Beeinflusst wird eine solche Entscheidung neben den Wünschen des Betriebsleiters und den Ansprüchen der Tiere zunehmend auch durch veränderte rechtliche Vorschriften sowie von speziellen Förderprogrammen, die nur bestimmte Verfahren zulassen. Aber auch die Teilnahme an einem speziellen Vermarktungsprogramm kann den entscheidenden Ausschlag für ein Verfahren geben. Nicht selten spielen auch praktische Gründe eine entscheidende Rolle. So kann es zum Beispiel sein, dass sich bei Umbauten in vorhandenen alten Stallgebäuden das gewünschte Entmistungsverfahren nicht oder nur mit Kompromissen einbauen lässt.
 
Um eine Übersicht über die Verfahren zu geben, ist es hilfreich, vorab eine Einteilung der Entmistungsverfahren, wie in der Abbildung 1 dargestellt, vorzunehmen. Bei den Einstreuverfahren oder auch Mistverfahren kommt zumeist Stroh als Langstroh oder Häckselstroh zum Einsatz. Andere Einstreumaterialien, wie zum Beispiel Sägespäne, sind ebenfalls möglich. Neben einer zum Teil noch händischen Entmistung kommen hier meist mobile Entmistungssysteme etwa in Form von Frontladern oder kleinen Hofschleppern zum Einsatz. Stationäre Entmistungssysteme, zum Beispiel Schieber oder Schubstangenentmistungen, sind eher selten anzutreffen, da ein Schlepper ohnehin meist vorhanden ist.
 

Bei den einstreulosen Verfahren oder auch Flüssigmistverfahren stehen nach wie vor Kanalentmistungsverfahren im Vordergrund. Hier werden die Tiere auf perforierten Böden (Spalten- oder Rostenböden) gehalten. Es wird unterschieden zwischen Haltungsverfahren mit Vollperforation und Teilperforation. In vielen Betrieben stellt die Vollperforation und damit auch die Vollunterkellerung  der Ställe das führende Verfahren da. Allerdings sind diese Verfahren stark in die Kritik geraten und die Forderung nach einer bis zu 50 prozentigen Teilperforation bzw. einer Verringerung der Schlitzanteile auf drei bis sechs Prozent in diesen Bereichen wird in einigen Bundesländern über entsprechende Förderprogramme unterstützt. Dies hat dazu geführt, dass einige Schweinehalter in bestehenden Ställen mit Vollperforation Teile der vorhandenen Spaltenböden, zum Beispiel durch den Comfifloor Boden der Firma Hölscher und Leuschner, ersetzt haben (Abbildung 2).
 
 
Abhängig vom jeweiligen Entmistungsverfahren kann bei Teilperforation auch mit Einstreu gearbeitet werden. So kann beispielsweise in Liegekesseln von Warteställen mit Einstreu gearbeitet werden (Abbildung 3). Zwar dominiert hier häufig noch die Einstreu von Hand, allerdings bieten einige Stalleinrichter bereits automatisierte Verfahren zur Einbringung von Einstreu oder auch Beschäftigungsmaterial an. Neben Kettenförderern kommen auch pneumatische Fördereinrichtungen zum Einsatz. Mit ihnen kann geeignetes Häckselgut von ca. drei Zentimeter Länge in die Buchten transportiert werden.
 
  
Gerade auch das Einbringen von Einstreu oder Beschäftigungsmaterial in Form von Stroh oder Sägespänen (Abbildung 3) in bestehenden voll- und teilperforierten Stallungen, gefährdet jedoch die Funktionssicherheit vieler Güllesysteme. Hier ist in der Auswahl geeigneter Materialien und der eingesetzten Einstreumenge Augenmaß gefragt. Besonders gefährdet sind hier Güllewannen oder Güllekanäle mit Ablasstopfen, aber auch Wechselstauverfahren mit Schiebern sind nicht immer unproblematisch. Im Einzelfall kann hier das Nachrüsten von Spülleitungen eine sinnvolle Maßnahme sein. Mixersysteme wie das Zirkulations- oder Slalomverfahren funktionieren hier in der Regel am sichersten. In der Abbildung 4. sind einige der üblichen Kanalentmistungsverfahren exemplarisch dargestellt.
 
 
Vereinzelt kommen auch Schieber-Entmistungsverfahren in der Schweinehaltung mit voll- oder teilperforierten Böden zum Einsatz. Im Gegensatz zur Rinderhaltung befinden sich die Schieber hier allerdings unterhalb der Spaltenböden. Ihre Vorteile liegen in der sofortigen und sicheren Entfernung der Gülle und auch Feststoffen aus den Stallungen, auch mit hohen Einstreuanteilen. Siehe dazu auch die Abbildung 5.
Abbildung 5. Entmistungsschieber für Schweineställe mit teilperforiertem Boden
  
Zunehmend höhere Ansprüche werden an die Lagerstätten für Mist, Jauche und Gülle sowie für die Entnahmeplätze gestellt. Neben einem ausreichenden Lagervolumen steigen auch hier die notwendigen Umweltauflagen. So wird für Güllebehälter, je nach Lagerstoff, eine geschlossene Behälterabdeckung, meist in Form eines Zeltdaches oder auch Schwimmfolien (meist bei Nachrüstungen), zur Reduzierung der Geruchs- und Ammoniakimmissionen, gefordert. Spezielle Drainagen zur Leckerkennung um bzw. unter dem Lager, für die Güllekanäle unter den Stallungen, den Verbindungsleitungen und den Entnahmestellen sollen sicherstellen, dass Undichtigkeiten sofort erkannt werden und somit Gefahren für die Umwelt nahezu ausgeschlossen werden. Gefordert wird auch zunehmend die Befüllung und Entnahme des Lagerraums von oben. Dies soll ein unkontrolliertes Auslaufen der Gülle bei defekten Absperrschiebern verhindern.

Quelle: eurotier.com

 
 
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