Skip to main content

MEDICA & COMPAMED 2022: Erfolgstorys, die die MEDICA schreibt – vom kleinen Entwicklerteam mit Prototypen im Gepäck zu einem der größten Aussteller

Als weltführende Medizinmesse zählt die MEDICA in Düsseldorf auch Jahr für Jahr zu den wichtigsten Plattformen für Start-up-Teams, die den Einstieg in den Healthcare-Bereich angehen auf der Suche nach Investierenden, Kooperationen oder auch ersten Anwenderinnen und Anwendern für ihre Produktideen. Vom 14. bis 17. November 2022, bieten erneut zahlreiche Programm-Highlights der jungen Gründerszene ideale Optionen, um sich der internationalen Fachwelt der Gesundheitswirtschaft während der MEDICA-Laufzeit zu präsentieren: 11. MEDICA Start-up COMPETITION, 14. `Healthcare Innovation World Cup´, der MEDICA START-UP PARK und insgesamt mehr als 100 Start-up-Beteiligungen beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM sind nur beispielhaft zu nennen.

Darüber hinaus werden sich mehrere hundert Start-ups oder Scale-ups (die sich in der nächsten Entwicklungsphase befinden) als Aussteller, teils auf Gemeinschaftsständen oder aber mit eigenem Stand an der MEDICA 2022 beteiligen. Der bisherige Verlauf der Ausstelleranmeldungen lässt insgesamt eine Beteiligung über dem Vorjahresniveau erwarten (MEDICA 2021: 3033 Teilnahmen) bei einem deutlichen Plus an Flächenbuchungen.

Für dieses Plus sorgt exemplarisch das junge Unternehmen Rapid Response Revival. 2018 waren sie das erste Mal mit dabei und zwar beim zentralen Treffpunkt für Start-ups, dem MEDICA START-UP PARK. Seitdem geht es geschäftlich steil bergauf. Entsprechend kommt Rapid Response Revival aus Australien auch in diesem Jahr zur MEDICA – mit einem der größten Messestände.

Das Entwicklerteam hat sich mit seinem Produkt einer weltweiten Herausforderung verschrieben, dem plötzlichen Herzstillstand. Jedes Jahr sterben daran sechs Millionen Menschen weltweit. Häufig passiert dies zuhause, wo kein lebensrettender Defibrillator schnell genug zur Verfügung steht.

Deshalb hat Rapid Response Revival mit „CellAED“ einen günstigen, auch durch Laien bedienbaren Defibrillator, entwickelt und die Vermarktung gestartet. 2019 wurde zur MEDICA ein erster Prototyp gezeigt: „Wir trafen hier zahlreiche Menschen, die unsere Möglichkeiten erkannten und die Teil von unserem Vorhaben in unterschiedlichen Teilen der Welt sein wollten“, erinnert sich Luke Starr, Chief Communications Officer von Rapid Response Revival an die vielversprechende Startphase. Seitdem ist viel passiert. „Bei der MEDICA 2022 treten wir nun mit einem ausgereiften Produkt an“, freut sich Starr auf die Messelaufzeit Mitte November.

So kompakt wie eine Tafel Schokolade und mit riesigem Potenzial

Der Defibrillator neuen Typs ist nicht größer als eine Tafel Schokolade, ist vernetzt und zeigt seine eigene Einsatzbereitschaft an. „CellAED“ unterstützt Ersthelfende, die Zeit bis zum Eintreffen von professioneller Hilfe lebensrettend zu überbrücken. Das Gerät soll sich in unterschiedlichste Notfallsysteme integrieren lassen und könne den Ausführungen von Starr folgend die Nothilfe weltweit grundlegend verändern. Für 70 Länder liege bereits eine Zertifizierung vor. So wurde die Marktzulassung innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, Großbritanniens, Australiens und Neuseelands erreicht.

Und überall soll das Gerät erschwinglich bleiben: „Der Preis liegt bei 240 Euro für das Gerät. Hinzukommen rund zehn Euro pro Monat für den andauernden Support, wozu beispielsweise der Zugang zu Diagnosedaten gehört“, berichtet Starr. „CellAED“ habe also bis zu einem Zehntel des Preises, der Größe und des Gewichts vieler derzeit gängigen Systeme am Markt und mache den Besitz eines Defibrillators zu Hause möglich. „Was wir geschaffen haben, wird die Reaktion der Gesellschaft auf den plötzlichen Herzstillstand fundamental verändern“, kommentiert Starr.

Dafür sei der kommende Messeauftritt wichtig: „Zur MEDICA 2022 wird der Fachöffentlichkeit vorgestellt, was wir entwickelt haben und welche Möglichkeiten dies eröffnet“, unterstreicht Starr und ergänzt: „Wir wollen Millionen der Geräte verkaufen. Dazu arbeiten wir gemeinsam mit mehreren Manufakturen zusammen und werden Ende 2023 monatlich 200.000 Geräte produzieren.“ Starr hält dies für realistisch: „Wir haben die Kapazitäten, die Herausforderung zu meisten, wir erfüllen die regulatorischen Zulassungen und haben das Team, um eventuelle Herausforderungen zu lösen.“ Ein wesentlicher Grund für die bisherige Erfolgstory sei, dass sich das Unternehmen im Gegensatz zu größeren Betrieben auf eine Anwendung konzentriere. Ganz ähnliche Erfahrungen dürften auch anderen Start-ups machen, die bislang noch nicht so weit sind wie Rapid Response Revival und doch ebenfalls auch die MEDICA als passende Plattform wählen – zum Beispiel in Form von Wettbewerben.

Kickoff für 11. MEDICA Start-up COMPETITION erfolgt

Die 11. MEDICA Start-up COMPETITION sucht herausragende Healthcare-Lösungen von Start-ups für die Themen Gesundheits-Apps, Labordiagnostik, Künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen und Robotik. Im Vorjahr setzte sich `Phonolyser´ aus Finnland als Siegerteam des Wettbewerbs durch mit seiner gleichnamigen Produktlösung zur intelligenten Herztonanalyse. Der Herzschallanalysator kombiniert Künstliche Intelligenz (Signalverarbeitung und -analyse), Doppler-Technologie (Ultraschall) und Schallanalyse, um das Vorhandensein von angeborenen Herzerkrankungen bei Kindern umfassend zu beurteilen und zu untersuchen. Das System hilft bei der genauen Diagnose. Bahman Doaeian, Co-Founder and Chief Business Officer von Phonolyser, schildert: „Wir erhielten insbesondere in den ersten Wochen nach unserem Sieg in Düsseldorf sehr viel Aufmerksamkeit von den Medien und auch Investoren in Europa.“ Für Doaeian ist die MEDICA länderübergreifend eine der besten Plattformen, um neue medizinische Technologien vorzustellen. „Hier treffen wir genau die Zielgruppen, die wir erreichen wollen“, schildert er. Seit letztem November wurde der „Phonolyser“ weiterentwickelt, vor allem hinsichtlich der Steigerung der Sensitivität (Ziel: mehr als 98 Prozent) und Optimierung der Software zur Vereinfachung der Bedienung des Geräts auch durch weniger erfahrene Ärztinnen und Ärzte. Klinische Studien sind weit fortgeschritten – beispielsweise um einen neuen Algorithmus zu testen. Diesbezüglich sieht Doaeian in den hohen regulatorischen Anforderungen der Europäischen Union eine Herausforderung, die nach mehr Unterstützung insbesondere für Start-ups verlange.

Bewerbungen für die 11. MEDICA Start-up COMPETITION können bis zum 21. September 2022 eingereicht werden. Die finalen Pitches um den Gesamtsieg steigen dann am 15. November auf der Programmbühne beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM. Mehr Informationen zum Wettbewerb und zur Registrierung sind online abrufbar unter: https://www.medica.de/mac1.

14. Healthcare Innovation World Cup für Lösungen des „Internet of Medical Things“

Start-ups, Scale-ups und KMUs können zudem ihre Lösungen für das „Internet of Medical Things“ (IoMT) kostenlos beim 14. `Healthcare Innovation World Cup´ einreichen. Die besten 12 ausgewählten Finalisten werden eingeladen, sich im Rahmen der MEDICA 2022 zu präsentieren – mit Themen wie Wearable Technologies über digitale Biomarker und intelligente Pflaster bis hin zu smarten Implantaten. So siegte 2021 in Düsseldorf das „eyemate“-System des Unternehmens Implandata Ophthalmic Products. Dabei handelt es sich um einen intelligenten, implantierbaren und biokompatiblen Mikrosensor für die telemedizinische Versorgung von Glaukom-Patientinnen und Glaukom-Patienten. Ihr erhöhter Augeninnendruck kann den Sehnerv irreversibel schädigen und zur Erblindung führen. Mit herkömmlichen Methoden kann dieser lediglich in der Augenarztpraxis gemessen werden. „eyemate“ ermöglicht dagegen die kontinuierliche Selbstmessung im normalen Lebensumfeld. Augenärztinnen und -ärzte können die Daten telemedizinisch überwachen und im Bedarfsfall frühzeitig eingreifen. Betroffenen gibt das Gerät bereits jetzt die Sicherheit, rechtzeitig informiert zu werden, bevor ein zu hoher Innendruck den Sehnerv schädigt. Für Max Ostermeier, CEO & Gründer von Implandata Ophthalmic Products, bedeutet dies ein „Patient-Empowerment“, das auch die Therapietreue fördere: „Das wird die Glaukomtherapie komplett transformieren.“ Auch Ostermeier schildert, dass der Sieg im Rahmen des Wettbewerbs bei der MEDICA eine tolle Auszeichnung und wichtig für die Motivation gewesen sei. Das Medienecho habe dazu geführt, dass man zu weiteren Präsentationen eingeladen wurde, was insgesamt die Gewinnung von Investoren erleichterte.

Schritt für Schritt zum internationalen Erfolg

Denn auch bei diesem Start-up gilt derzeit: „Die Kostenseite dominiert noch“, schildert Ostermeier. Das Implantat wird derzeit bei einer Glaukom- oder Katarakt-Operation quasi Huckepack ins Auge eingebracht, wo es dauerhaft bleibt. Wir erfüllen die hohen CE-Ansprüche, die an Dauerimplantate gestellt werden“, erläutert Ostermeier. Künftig soll es auch möglich werden, das Implantat ohne Operation per minimalinvasiver Injektion einzusetzen, sodass der Augeninnendruck bereits in früheren Krankheitsstadien kontinuierlich gemessen werden könne. Ostermeier betont, dass das Start-up mit beteiligten Ophthalmologen eng zusammenarbeite. Erst in ein oder zwei Jahren werde eine noch stärkere – über den deutschsprachigen Raum hinausgehende – Internationalisierung angestrebt. Fest im Fokus aktuell: die Zulassung der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) an.

Die Einreichungsphase für Bewerbungen zur Teilnahme am diesjährigen `Healthcare Innovation Worldcup´ endet am 21. September 2022. Die Pitches der 12 Finalisten steigen ebenfalls auf der Programmbühne beim MEDICA CONNECTED HEALTHCARE FORUM (am 14. November).

Networking wird indes auch beim MEDICA START-UP PARK großgeschrieben (Halle 12, E53), der sich als zentraler Anlaufpunkt für die kreative Gründerszene etabliert hat. Gut 40 Start-ups haben sich hierfür bereits angemeldet, vorrangig mit Schwerpunktsetzung auf innovativen digitalen Healthcare-Lösungen.

Alle Informationen zur MEDICA 2022 und zu den genannten Programm-Komponenten sind online abrufbar unter: https://www.medica.de.

Autorenhinweis: Dr. Lutz Retzlaff, freier Medizinjournalist (Neuss)

Bild & Text: medica.de